Wer eine Immobilie kaufen will, kommt um das Thema Eigenkapital nicht herum. Die Frage „Wie viel Eigenkapital brauche ich eigentlich?“ höre ich fast jedes Mal, wenn jemand neu ins Thema Immobilienfinanzierung einsteigt.
Und ganz ehrlich: Die Antwort ist nicht immer einfach, aber sie ist entscheidend. Denn das Eigenkapital ist der Schlüssel zu besseren Zinsen, geringerer Monatsrate und einem insgesamt sichereren Kredit.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, was Eigenkapital eigentlich genau ist, wie viel du wirklich brauchst – und welche Risiken du eingehst, wenn du zu wenig oder gar nichts mitbringst.
1. Was zählt als Eigenkapital?
Eigenkapital ist alles, was du selbst in die Finanzierung einbringen kannst – also Geld, das du nicht leihen musst. Dazu gehören:
- Ersparnisse auf Giro- oder Tagesgeldkonten
- Festgeld, Sparbriefe, Bausparguthaben
- Eigenleistungen (z. B. bei Neubau: „Muskelhypothek“)
- Aktien, Fonds oder andere liquide Wertpapiere (je nach Bank)
- Schenkungen oder Erbschaften
- Rückkaufswerte aus Lebensversicherungen
- Eigenmittel aus Verkauf von anderen Immobilien
Wichtig: Manche Dinge wie Möbel oder ein altes Auto zählen nicht dazu – Eigenkapital muss verfügbar, realistisch bewertbar und nachweisbar sein.
2. Wie viel Eigenkapital ist empfehlenswert?
Die Faustregel lautet: Mindestens die Kaufnebenkosten plus 10 bis 20 Prozent des Kaufpreises solltest du aus eigener Tasche zahlen können.
Beispielrechnung bei 400.000 Euro Kaufpreis:
- Kaufnebenkosten (Notar, Grundbuch, Grunderwerbsteuer, Makler): ca. 50.000 Euro
- Zusätzlicher Eigenanteil (10 % vom Kaufpreis): 40.000 Euro
- Empfohlenes Eigenkapital gesamt: ca. 90.000 Euro
Je mehr du einbringst, desto besser. Bei 20 bis 30 Prozent Eigenkapital bekommst du in der Regel deutlich bessere Zinskonditionen.
3. Warum ist Eigenkapital so wichtig?
1. Bessere Konditionen
Banken honorieren eine hohe Eigenkapitalquote mit besseren Zinsen – weil ihr Risiko sinkt.
2. Geringeres Finanzierungsvolumen
Du musst weniger leihen, zahlst dadurch monatlich weniger oder kannst schneller tilgen.
3. Mehr Sicherheit bei Wertschwankungen
Wenn der Immobilienwert später sinkt, ist dein Kredit trotzdem noch solide abgesichert.
4. Höhere Chancen auf Kreditzusage
Banken sehen Eigenkapital als Zeichen für finanzielle Verantwortung und Rücklagen.
4. Immobilienfinanzierung ohne Eigenkapital – geht das?
Ja, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen – und es ist nicht ohne Risiko.
Vollfinanzierung bedeutet, dass du den gesamten Kaufpreis über einen Kredit abdeckst. Wenn sogar die Nebenkosten mitfinanziert werden, spricht man von einer 100-Prozent- oder 110-Prozent-Finanzierung.
Wann ist das möglich?
- Sehr hohes und sicheres Einkommen
- Unbefristeter Arbeitsvertrag
- Keine weiteren Schulden
- Junge Käufer mit sehr guter Bonität
- Immobilie mit hohem Wert (z. B. unter Marktpreis gekauft)
Aber:
- Deutlich höhere Zinsen
- Längere Laufzeit
- Höheres Risiko bei Wertverlust
- Geringere Chancen bei der Kreditvergabe
Mein Rat: Wenn es nicht unbedingt sein muss, lieber zumindest die Nebenkosten selbst zahlen – das zeigt der Bank, dass du auch Rücklagen hast.
5. Wie viel Eigenkapital ist zu viel?
Klingt komisch, aber auch das kann ein Thema sein. Wenn du z. B. deine gesamten Ersparnisse in die Immobilie steckst und am Ende nichts mehr für:
- Notfälle
- Reparaturen
- Möbel, Küche, Umzug
- Lebenshaltungskosten
übrig hast, dann wird’s eng. Banken raten dazu, einen Notgroschen von mindestens drei Monatsgehältern auf dem Konto zu behalten – besser mehr.
Also: Eigenkapital ist gut – aber alles einsetzen ohne Puffer ist keine gute Idee.
Eigenkapital entscheidet über deine Finanzierung
✔ Je mehr Eigenkapital, desto besser die Zinsen und die Konditionen
✔ Rechne realistisch: Kaufnebenkosten kommen immer oben drauf
✔ Ohne Eigenkapital geht es nur mit sehr guter Bonität – und zu höheren Kosten
✔ Halte immer Rücklagen zurück – für Unvorhergesehenes
✔ Sprich frühzeitig mit deiner Bank oder einem Finanzierungsberater, um herauszufinden, wie viel du sinnvoll einbringen solltest
Mein Rat: Fang schon Monate oder Jahre vor dem Hauskauf an, Eigenkapital aufzubauen. Es ist das Fundament deiner Finanzierung – und der erste Schritt in ein sicheres Zuhause.
Wie viel Eigenkapital habt ihr eingeplant oder eingebracht? Und wie hat sich das auf eure Finanzierung ausgewirkt? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen.