Egal ob du zum ersten Mal finanzierst oder bereits Erfahrung mit Immobilienkrediten hast – eine Frage taucht immer auf: Wie lange soll ich die Zinsen festschreiben? Die sogenannte Zinsbindung entscheidet mit darüber, wie sicher, flexibel und teuer dein Kredit auf Dauer ist.
Und genau darum geht’s in diesem Beitrag: Ich zeige dir, wie Zinsbindung funktioniert, welche Laufzeiten es gibt, wann sich kurze oder lange Bindungen lohnen – und worauf du unbedingt achten solltest, bevor du unterschreibst.
1. Was bedeutet Zinsbindung überhaupt?
Wenn du einen Immobilienkredit aufnimmst, vereinbarst du mit der Bank eine Zinsbindung – also den Zeitraum, in dem dein Zinssatz festgeschrieben ist.
Das heißt: Egal was am Markt passiert – dein Zinssatz bleibt während dieser Zeit gleich. Nach Ablauf der Zinsbindung musst du neu verhandeln oder eine Anschlussfinanzierung abschließen.
2. Welche Laufzeiten gibt es?
In Deutschland sind folgende Zinsbindungsfristen üblich:
- 5 Jahre
- 10 Jahre
- 15 Jahre
- 20 Jahre
- 30 Jahre (selten, aber möglich)
Standard ist meistens 10 Jahre, weil das ein guter Kompromiss aus Sicherheit und Zinshöhe ist. Aber: Welche Laufzeit für dich die richtige ist, hängt stark von deiner persönlichen Situation ab.
3. Lange Zinsbindung: Sicherheit hat ihren Preis
Wenn du die Zinsen für 15, 20 oder sogar 30 Jahre festschreiben lässt, profitierst du von langfristiger Planungssicherheit. Du weißt ganz genau, was du jeden Monat zahlst – bis der Kredit (zumindest teilweise) abbezahlt ist.
Vorteile:
- Volle Kalkulierbarkeit
- Kein Zinsänderungsrisiko
- Ideal bei steigenden Zinsen
- Gut für langfristige Lebensplanung
Nachteile:
- Zinsen oft höher als bei kürzeren Bindungen
- Weniger flexibel (z. B. bei Verkauf oder Umschuldung)
- Vorfälligkeitsentschädigung bei vorzeitiger Kündigung (außer nach 10 Jahren gemäß §489 BGB)
Mein Tipp: Lange Zinsbindung lohnt sich vor allem, wenn die Zinsen niedrig sind – und du nicht vorhast, in den nächsten Jahren umzuziehen oder zu verkaufen.
4. Kurze Zinsbindung: Flexibler, aber riskanter
Zinsbindungen von 5 oder 10 Jahren haben in der Regel niedrigere Zinssätze – zumindest dann, wenn das allgemeine Zinsniveau stabil oder sinkend ist.
Vorteile:
- Günstigerer Zinssatz
- Gute Option, wenn du bald Sondertilgungen planst oder eine Erbschaft erwartest
- Bessere Konditionen bei späterer Umschuldung – wenn die Zinsen nicht steigen
Nachteile:
- Nach Ende der Zinsbindung droht ein deutlich höherer Zinssatz
- Du musst dich rechtzeitig um die Anschlussfinanzierung kümmern
- Kein Schutz vor steigenden Zinsen
Mein Tipp: Eine kurze Zinsbindung ist nur dann ratsam, wenn du einen klaren Plan hast, wie du danach weitermachen willst – oder wenn du einen großen Teil des Kredits in kurzer Zeit tilgen kannst.
5. Was passiert nach Ende der Zinsbindung?
Nach Ablauf der Zinsbindung beginnt die sogenannte Anschlussfinanzierung. Du hast dann drei Optionen:
- Prolongation: Du verlängerst den Kredit bei deiner bisherigen Bank (meist unkompliziert, aber oft nicht die günstigste Variante)
- Umschuldung: Du wechselst zu einer anderen Bank und bekommst neue Konditionen
- Komplettablösung: Du tilgst den offenen Restbetrag (z. B. durch Verkauf oder Erbschaft)
Wichtig: Rechtzeitig vor Ablauf vergleichen – am besten 6 bis 12 Monate vorher Angebote einholen.
6. Sonderfall: Kündigung nach 10 Jahren trotz langer Zinsbindung
Wusstest du, dass du laut §489 BGB deinen Kredit nach 10 Jahren Laufzeit mit 6-monatiger Frist kündigen kannst – auch wenn die Zinsbindung länger ist?
Voraussetzungen:
- Der Kredit ist vollständig ausgezahlt
- Mindestens 10 Jahre sind vergangen seit der vollständigen Auszahlung
Das heißt: Wenn du z. B. eine Zinsbindung von 20 Jahren gewählt hast, kannst du nach 10 Jahren trotzdem wechseln – ohne Vorfälligkeitsentschädigung.
Ein wichtiges Detail, das viele vergessen – und das dir später viel Geld sparen kann.
Zinsbindung ist eine strategische Entscheidung
✔ Lange Zinsbindung = mehr Sicherheit, weniger Risiko bei steigenden Zinsen
✔ Kurze Zinsbindung = günstiger, aber riskanter bei steigenden Zinsen
✔ Deine Lebensplanung, Tilgungshöhe und Risikobereitschaft entscheiden
✔ Immer auch an Anschlussfinanzierung denken – die kommt garantiert
✔ Nutze das Sonderkündigungsrecht nach 10 Jahren, wenn es passt
Mein Rat: Wenn du ruhig schlafen willst und es dir leisten kannst, wähl eher eine längere Zinsbindung – besonders in Zeiten mit niedrigen Zinsen. Lieber etwas mehr Zins, aber dafür keine böse Überraschung in zehn Jahren.
Wie habt ihr euch entschieden? Zinsbindung kurz oder lang? Ich freue mich auf eure Erfahrungen.