Wer beim Hausbau Geld sparen will, kommt früher oder später auf die Idee: „Das mach ich selbst!“ Klar – klingt verlockend. Warum für den Maler, den Bodenleger oder den Gartenbauer zahlen, wenn man’s auch mit ein paar YouTube-Videos, einem Samstag und zwei Schwiegervätern hinkriegt?
Aber Vorsicht: Eigenleistung – oder auch Muskelhypothek genannt – ist kein Selbstläufer. Wenn du’s richtig machst, kannst du viele tausend Euro sparen. Wenn du’s falsch angehst, kostet es dich am Ende Nerven, Zeit und manchmal sogar Geld.
In diesem Blogbeitrag zeig ich dir, welche Arbeiten du wirklich selbst machen kannst, was du besser den Profis überlässt – und wie du deine Eigenleistung auch gegenüber der Bank clever einsetzt.
1. Was ist überhaupt Eigenleistung?
Unter Eigenleistung versteht man alle Arbeiten, die du selbst (oder mit Freunden und Familie) beim Hausbau übernimmst – statt sie von Handwerkern machen zu lassen.
Typische Beispiele:
- Maler- und Tapezierarbeiten
- Boden verlegen (Laminat, Vinyl, evtl. Fliesen)
- Garten und Außenanlagen
- Innenausbau (z. B. Türen einbauen)
- Dämmung (mit Anleitung!)
- Einfache Trockenbauarbeiten
Weniger empfehlenswert:
- Elektroinstallation
- Sanitär/Heizung
- Dachdeckung
- Tragende Bauteile
Bei solchen Arbeiten ist die Fachkenntnis (und die Gewährleistung!) einfach zu wichtig.
2. Wie viel kann man wirklich sparen?
Viele Bauherren kalkulieren Eigenleistung im Wert von 10.000 bis 30.000 Euro ein – je nach Umfang.
Beispielrechnung:
- Malerarbeiten (ca. 800–1.200 € bei einem Einfamilienhaus): gespart
- Bodenbeläge verlegen: 2.000–4.000 € gespart
- Garten selbst anlegen: bis zu 10.000 € gespart
Aber Achtung:
Eigenleistung kostet Zeit, Kraft und oft auch Nerven.
Wenn du berufstätig bist, musst du Abende, Wochenenden oder Urlaub opfern. Und wenn du dich überschätzt, zahlst du am Ende doppelt – weil der Profi’s wieder ausbessern muss.
3. Wie erkennen Banken deine Eigenleistung an?
Viele denken: „Ich spare Eigenleistung ein – also brauche ich weniger Kredit.“
Stimmt – aber nur teilweise.
Banken rechnen Eigenleistung manchmal wie Eigenkapital, aber nur unter bestimmten Bedingungen:
✔ Die Arbeiten müssen realistisch und fachlich machbar sein
✔ Die geschätzten Beträge dürfen nicht übertrieben sein
✔ Du musst glaubhaft machen, dass du (oder Helfer) das auch wirklich können
✔ Es dürfen keine sicherheitsrelevanten Arbeiten dabei sein (z. B. Elektro)
Faustregel:
Banken erkennen bis zu 10–15 % der Bausumme als Eigenleistung an – wenn es glaubwürdig dokumentiert ist.
4. Typische Fehler bei der Eigenleistung – und wie du sie vermeidest
❌ Zu viel auf einmal vornehmen
→ Lieber realistisch bleiben und mit Profis kombinieren
❌ Handwerker zu spät einplanen
→ Wenn du dich übernimmst, bekommst du oft kurzfristig keinen Ersatz
❌ Falsche Einschätzung des Zeitbedarfs
→ Rechne immer mit Puffer – sonst wohnst du länger auf der Baustelle als dir lieb ist
❌ Baumängel durch Eigenleistung
→ Keine Gewährleistung, keine Versicherung – im Zweifel haftest du
5. Mein persönlicher Tipp: So planst du deine Eigenleistung clever
✔ Vor dem Baustart aufschreiben, welche Arbeiten du selbst machen willst
✔ Zeitaufwand realistisch einschätzen – nicht jeder kann nach Feierabend noch 5 Stunden Fliesen legen
✔ Werkzeuge und Helfer vorher organisieren
✔ Kosten-Nutzen vergleichen: Manchmal ist der Profi gar nicht so viel teurer – aber schneller und mit Gewährleistung
✔ Mit dem Bauträger/Architekten abstimmen, welche Eigenleistungen möglich sind – nicht alles lässt sich in den Bauablauf integrieren
6. Und was ist mit der Muskelhypothek?
Muskelhypothek ist nur ein anderes Wort für Eigenleistung, das gerne von Banken genutzt wird.
Wenn du sie geschickt einsetzt, kannst du damit deine Finanzierung verbessern:
- Weniger Kreditbedarf → geringere Monatsrate
- Höheres „Eigenkapital“ in den Augen der Bank
- Bessere Konditionen, wenn’s glaubwürdig kalkuliert ist
Aber: Denk daran, dass du diese Arbeitsleistung auch wirklich erbringen musst – die Bank kontrolliert das nicht, aber du merkst es spätestens beim 50. Quadratmeter Laminat.
7. Fazit: Eigenleistung lohnt sich – aber nur mit Plan
✔ Du kannst mit Eigenleistung viel Geld sparen – wenn du weißt, was du tust
✔ Nicht jede Arbeit ist für Laien geeignet – Sicherheit und Qualität gehen vor
✔ Plane deine Zeit realistisch ein – und vergiss nicht: Dein Alltag läuft weiter
✔ Sprich mit der Bank, wie viel Eigenleistung sie anerkennt – und trag’s sauber in deine Finanzierungsplanung ein
Mein Fazit: Eigenleistung kann der finanzielle Joker beim Hausbau sein – oder der Stressfaktor schlechthin. Geh’s mit Verstand, Planung und ein bisschen Demut an, dann wird’s ein Gewinn.
Hast du schon Eigenleistung erbracht oder planst es beim Bau? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen – ob Daumen hoch oder Muskelkater pur!